Historie

Die Abtei Brauweiler

Das Gebiet um Brauweiler gehörte dem lothringischen Pfalzgrafen Hermann, dessen Sohn Ezzo hier auf einem Hofgut 991 Mathilde heiratete, Tochter Kaiser Ottos II. und der Kaiserin Theophanu. 1024 erlaubte Papst Benedikt VIII. Ezzo und Mathilde in Brauweiler ein Benediktinerkloster zu errichten und schenkte ihnen Reliquien des hl. Nikolaus.

Brauweiler

Brauweiler

Die bei der Klostergründung gebaute Kirche wird nicht sehr standfest gewesen sein. Durch eine großzügige Spende der polnischen Königin Richeza, Tochter des Stifterpaares Ezzo und Mathilde, konnte eine neue Steinkirche gebaut werden. 1048 war die Grundsteinlegung der sogen. Richezakirche. Sie ist eingeschlossen in die bestehende Kirche mit einem Chorumbau um 1200, nach dem Vorbild von Groß St. Martin in Köln.
Wertvolle Altäre, kunstvolle Kapitelle, bedeutende Andachtsfiguren, Hochgräber der Stifter und Äbte sind in die spätromanische Architektur einbezogen und tragen zu der erhabenen Schönheit der Abteikirche ebenso bei, wie das prächtige Orgelgehäuse, das Chorgestühl, die Beichtstühle und Bilder aus der Barockzeit.
Nur wenige Jahre nach Fertigstellung der barocken Prälaturgebäude zogen 1794 französische Revolutionstruppen ins Rheinland. 1802 löste Napoleon Klöster und Stifte auf. Die Mönchskirche wurde Pfarrkirche St. Nikolaus. Baulich stellt sich für den Besucher die ehemalige Abtei an der westlichen Kölner Stadtgrenze so dar, wie sie etwa aussah, als die Mönche das Kloster verließen.
Im „Kulturzentrum Abtei Brauweiler“ arbeiten heute die Kulturdienststellen des Landschaftsverbandes Rheinland, der Freundeskreis Abtei Brauweiler e.V. organisiert ein weit über die Grenzen Kölns beachtetes Konzert- und Veranstaltungsprogramm. In der romanischen Abteikirche werden, wie seit fast tausend Jahren, viele Gottesdienste mit vielfältiger Kirchenmusik gefeiert und in Chor- und Orgelkonzerten das altehrwürdige Gotteshaus erlebt.

Geschichte der Orgeln in der Abteikirche

Die erste in der Chronik der Benediktinerabtei erwähnte Orgel ließ Abt Hermann II. Zobb (1361-1400) im nördlichen Seitenschiff der Kirche aufstellen. Nähere Einzelheiten gibt die Chronik nicht an. Um 1715 ließ Abt Matthias Franken (1709-1722) eine neue Orgel bauen. Auch hierüber sind in der Chronik keine näheren Angaben zu finden. Ob diese Orgel aus der Hand des renommierten Orgelbauers Balthasar König (1685-1760) stammt, wird vermutet, ist letzendlich aber nicht nachweisbar. Ein Chronogramm unterhalb der Empore weist auf das Jahr 1768 hin, in dem das Orgelgehäuse und die Empore von einem Aachener Vergolder namens Elter aufgearbeitet wurde.
Das Gehäuse ist ein reich verzierter fünfteiliger barocker Aufbau, der mit der Empore eine architektonische Einheit bildet. An der Balustrade der Empore wird Christus mit den 12 Aposteln dargestellt, wie er ihnen den Auftrag gibt: „Gehet hin in alle Welt und lehret alle Völker.“ Die Disposition dieser Orgel findet sich erst in den Pfarrakten von 1906, als ein neues Orgelwerk in das barocke Gehäuse eingebaut werden sollte. Nachgewiesen ist ein Werk mit 24 Registern, verteilt auf Hauptwerk und Nebenwerk. Das Pedal war, wie häufig üblich, angehängt. Der Umfang der Manualklaviaturen war unterschiedlich und als so genannte „gebrochene“ Oktave ausgeführt. Das Hauptwerk hatte einen Tonumfang von Kontra G-c³ = 54 Töne, das zweite Manual hatte den Tonumfang C, D-c³ ohne tiefes Cs = 48 Töne. Das Pedal hatte 25 Tasten vom Kontra G-g° und war am I. Manual angehängt.
Umbau durch die Firma Sonreck 1875
1875 lieferte der Orgelbauer F. W. Sonreck aus Köln u.a. neue Manualklaviaturen mit jeweils 49 Tasten von c-c3 und schloss die 5 tiefen Töne Contra G-H nicht an das I. Manual an. Diese Töne waren von da an nur noch im Pedal, das unverändert mit Contra G begann, zu spielen. Die vor dem Umbau unterschiedliche Aufteilung der beiden Manuale zwingt zu dem Schluß, daß das Werk des I.Manuals von einer älteren Orgel stammt.

Neubau durch die Firma Seifert 1908

1908 kam es zu einem Umbau der Firma Seifert mit romantischer Disposition, ein Teil der vorhandenen Pfeifen wurden übernommen, die mechanische Traktur durch ein zu damaliger Zeit übliches pneumatisch gesteuertes System ersetzt. Doch schon um 1935 plante die Pfarrgemeinde einen Neubau und erhielt hierfür Angebote der Firmen Koch (Köln) und Klais. Dir Kriegswirren ließen jedoch einen Neubau nicht zu, obwohl das Werk bereits 1940 ausgebaut war. Der Gemeindegesang wurde fortan durch ein Harmonium begleitet, ehe in der Weihnachtsmette 1943 wieder eine Orgel erklang: In Eigenleistung von Gemeindemitgliedern wurde ein Teil des Werkes in das Gehäuse wieder eingebaut. Zur 900-Jahr-Feier der Abteikirche 1948 disponierte der Kölner Orgelbauer Willi Peter ohne sonstige Eingriffe drei Register um.

Die Peter-Orgel von 1967/1970

Doch schon bald darauf griff die Gemeinde den Plan des Orgelneubaus wieder auf. Umfangreiche Akustikproben und Überlegungen mit der Denkmalpflege gingen der Erteilung des Auftrags 1964 an die Firma Willi Peter voraus. Ein neues Orgelwerk mit 31 Registern und zwei Gehäusen wurde geplant. In das vorhandene barocke Orgelgehäuse sollten 21 Register, in eine neue Chororgel (ein spätbarockes Gehäuse aus der ev. Kirchengemeinde Solingen-Gräfrath) über der südlichen Chorschranke 10 Register eingebaut werden. Dadurch erhoffte man sich für den Kirchenchor, der sich nach Anstellung des hauptberuflichen Organisten und Chorleiters Heinz Schnitzler zahlenmäßig vergrößert und auf der Orgelempore keinen Platz mehr hatte, eine Aufstellungsmöglichkeit in Orgelnähe zu erhalten. 1967 wurde als erster Bauabschnitt die Chororgel gebaut, am Pfingstmontag 1970 konnte die im alten Barockgehäuse gebaute neue Hauptorgel eingeweiht werden.
Haupt- und Chororgel (sog. Doppelorgel) mit Schleifladen und elektrischer Ton- und Registerbetätigung wurden von einem fahrbaren dreimanualigem Spieltisch angespielt, der am nördlichen Rand der Vierung der aufgestellt war. Ein ebenfalls elektrischer einmanualiger Seitenspieltisch an der Orgel diente lediglich Stimm- und Wartungsarbeiten.
Die Planungsarbeiten für den zentralen Spieltisch, der zwei separate Orgelwerke entweder getrennt oder kombiniert anspielen sollte, führten schon in den Jahren um 1948 zu der interessanten technischen Neuerung, die vielen Kontakte der Schaltapparaturen durch Halbleiterdioden zu ersetzen. Diese Technik , später Allgemeingut der Elektronik, wurde vom Brauweiler Gemeindemitglied Dr. Friedrich Karl Levacher entwickelt und 1952 als Deutsches Patent veröffentlicht.
Ab 1973 initiierte der neue Kantor der Abteikirche, Matthias Palandt, die „Orgelkonzerte in der Abteikirche Brauweiler“. Die Brauweiler Doppelorgel lockte renommierte Organisten in die Abteikirche. Die gute Akustik und der prächtige Innenraum der Kirche trugen ebenso dazu bei, daß sich die beliebten Konzerte zu einem festen Bestandteil der rheinischen Musikszene entwickeln konnten.

Michael Utz

Verwendete Literatur:
Peter Schreiner 2001, Die Geschichte der Abtei Brauweiler bei Köln 1024-1802,
Pulheimer Beiträge zur Geschichte und Heimatkunde, 21. Sonderveröffentlichung

Fritz Levacher 1979, Die Orgeln der ehemaligen Abteikirche St. Nikolaus/Brauweiler,
Pulheimer Beiträge zur Geschichte und Heimatkunde, Band 3